Geschirr für Verliebte

Manche Menschen begegnen sich nicht zum ersten Mal – auch wenn sie sich zum ersten Mal sehen.
Es gibt diese seltenen Augenblicke, in denen ein fremder Mensch vor einem steht und nichts an ihm wirklich fremd erscheint. Als hätte das Leben für einen kurzen Moment vergessen, seine Geheimnisse zu bewahren. Man erkennt etwas, für das man keine Erinnerung hat. Eine Vertrautheit ohne Vergangenheit. Eine Nähe, die keinen Weg gebraucht hat, um anzukommen.
Und plötzlich ist da ein Mensch, in dessen Gedanken man bleiben möchte, weil sie einen berühren. Dessen Leidenschaft man versteht, ohne sie erklärt bekommen zu müssen. Dessen Tiefe nicht erschreckt, sondern sich anfühlt wie ein Ort, den man lange gesucht hat, ohne zu wissen, dass es ihn gibt.
Vielleicht ist das das Seltsamste an manchen Begegnungen: Sie verändern nichts Sichtbares. Die Welt dreht sich weiter, jeder trägt sein Leben, seine Geschichte, seine Verantwortung nach Hause – und dennoch ist danach etwas anders.
Weil zwei Seelen für einen Augenblick aufgehört haben, aneinander vorbeizugehen.
Und vielleicht muss aus manchen Begegnungen gar nichts werden, damit sie alles bedeuten.
Es genügt zu wissen:
Unter Milliarden von Menschen auf dieser Welt bist du mir begegnet.
Und irgendetwas in mir wusste sofort, wer du bist.